Historie, Politik
Rumänien - oft das "Land der Römer" genannt, war ursprünglich eine römische Provinz. Die Staatsgründung erfolgte 1878. Im Jahr 1919, nach dem "Frieden von Trianon", wird Rumänien noch die Provinz Transsilvanien (Siebenbürgen) zugesprochen. Von 1947 bis 1989 wurde das Land kommunistisch "regiert", z.T. von Nicolae Ceausescu unter einer Diktatur gehalten und gehörte zum Ostblock und dem Warschauer Pakt. Seit der "Revolution von '89" im Jahr 1989 ist das Land eine Republik mit einem Mehrparteiensystem.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Rumänien, gemeinsam mit Bulgarien, per 01.01.2007 der Europäischen Union beigetreten. Bereits 2004 fand die Aufnahme in die NATO statt.
Geografie
Bis auf einen Küstenstreifen am Schwarzen Meer im Südosten ist es landumschlossen. Die Donau bildet die Südgrenze zu Bulgarien, im Norden grenzt es an die Ukraine und Moldawien; im Westen an Serbien und Ungarn. Höchster Berg ist der "Moldoveanu" im Fagaras-Gebirge (einem Teil der Karpaten) mit 2.543m Höhe. Längste Flüsse sind die Donau, die dort ins Schwarze Meer fließt und der Prut an der moldawischen Grenze. Es gibt kalte, schneereiche Winter und heiße trockene Sommer.
Das Land besteht aus drei Regionen, nämlich Siebenbürgen (Transsylvanien) im Nordwesten, im Süden die Walachei ("hier liegt sie also!") und Moldau im Osten. Die Fläche Rumäniens mit 238.391 km² entspricht 2/3 der Fläche Deutschlands. Die Hauptstadt ist Bukarest. Weitere große Städte sind (in Klammern deutsch/ungarisch) Iasi, Constanta (Konstanza/Konstanca), Timisoara (Temeschburg/Temesvár), Cluj Napoca (Klausenburg/Kolozsvár), Galati (Galatz/Galac), Brasov (Kronstadt/Brassó), Craiova, Arad, Sibiu (Hermannstadt/Szeben) und Oradea (Großwardein/Nagyvárad).
Sozialstruktur
In Rumänien leben ca. 23 Mio. Menschen. Die größten Minderheiten stellen die Ungarn mit ca. 1,6 Mio., 400.000 Zigeuner und noch ca. 100.000 Deutsche. Die deutschen Siedler wurden im 13. Jahrhundert von den Ungarn als Schutz gegen die Türken ins Land gerufen. Vor der Wende 1989/90 lebten noch ca. 800.000 Deutsche in Rumänien, vor allem in Siebenbürgen. Doch die meisten sind seitdem nach Deutschland und Österreich ausgewandert, weil sie sich dort eine bessere Perspektive erhofften.
86,6% der Rumänen sind rumänisch-orthodoxe Christen, 5,1% sind katholisch, 3,5% sind reformiert. Weitere Denominationen: griechisch-orthodox (1%), Pfingstchristen (1%) und Baptisten (0,5%).Fast jeder fünfte Rumäne lebt unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosigkeit ist erschreckend hoch. Die Landwirtschaft beherrscht noch mit 37,5% den Beschäftigungsmarkt; in Deutschland sind es nur noch 1,1%!
Verkehr
Pferd und Wagen sind neben dem "rumänischen Volkswagen", dem Dacia immer noch wichtige Verkehrsmittel. Der alte Dacia basiert auf dem Renault 12 und wurde lange Jahre unverändert in Lizenz produziert. Auch heute schwören viele Rumänen auf dieses unverwüstliche Auto, das den rumänischen Straßenverhältnissen als einziges widerstehen könnte. Allerdings hat sich die Automarke "Dacia" mit der Unterstützung von Renault auf zu neuen Ufern gemacht. Eine Vielzahl von Modellen, schnell geplant und auch schnell wieder eingestellt, prägten die letzten Jahre: Dacia Nova, Super Nova, Solenza. Seit einiger Zeit mischt allerdings der Dacia Logan selbst den westeuropäischen Markt auf. Ein günstiges Auto in akzeptabler Qualität spricht manche Käuferschichten neu an. Noch lächeln die renommierten Autobauer. Mal sehen, wie sie in einigen Jahren reagieren...
Derzeit stehen große Straßenprojekte an. Landesweit sind Autobahnen im Bau, die die großen Städte miteinander verbinden sollen. Die Reisegeschwindigkeit nimmt dadurch natürlich zu (bisher ca. 60 km/h auf Europastraßen), allerdings wird auch der Reiz des Fahrens abnehmen. Was sieht man auf deutschen Autobahnen von Deutschland? Die Baum- und Strauchvielfalt und im Süden auch ein paar Berge. Von den Menschen und Städten sieht man gar nichts. Dies ist noch anders in Rumänien. Die Europastraßen schlängeln sich auf jahrhunderte alten Trassen durch sämtliche Dörfer und Städte. Alle paar Kilometer folgt eine Ortschaft und das leidige Abbremsen für Eilige. Aber man sieht die Menschen und Waren auf den Märkten, das geschäftige Treiben, die verschiedenen Baustile und Kulturen.
Essen und Gastronomie
Die rumänische Küche ist geschmackvoll und üppig, so wie es für ein Land normal ist, wo landwirtschaftliche Produkte auf natürliche Art erzeugt werden, wo das Obst und das Gemüse ihrem natürlichen Wachstums- und Reifungszyklus folgen und die Winter kalt sind.
Rumänische Spezialitäten schließen vielerlei Suppen ein; koste die "ciorba", mit Borschtsch (saures, gegorenes Kleienwasser), Speck, Kartoffeln und Rind- oder Hühnerfleisch zubereitet. Die geschmackvollen Eintöpfe, wie zum Beispiel die "Tochitura moldoveneasca", werden, wie viele andere rumänische Fleischgerichte auch mit "mamaliga", einem Maisbrei, als Beilage serviert. Die "sarmale" sind ein würziges Gericht, das aus mit Fleisch gefüllten Sauerkrautblättern zubereitet wird, die "mititei" sind gebratene Würstchen, mit verschiedenen Kräutern gewürzt. Von den Fischgerichten ist vor allem gebratener Karpfen zu empfehlen, eine Spezialität aus dem Donaudelta. Zu den rumänischen und ausländischen Gerichten passen zahlreiche Weiß- und Rotweine aus den wohlbekannten Weingärten von Murfatlar, Cotnari, Jidvei, Dealu Mare, Odobesti, Valea Calugareasca. Als Aperitiv trinkt man oft "tuica", einen einheimischen Pflaumenschnaps. Aber Achtung: das könnte Folgen haben! :-) Das rumänische Bier, übrigens, ist ausgezeichnet. Bekannte und gute Markenbiere sind z.B. Silva, Ursus oder Bergenbier.
Wirtschaft
Wichtigste Exporterzeugnisse sind PKW, Textilien, Metalle und Metallprodukte, Maschinenbauerzeugnisse, Mineralien, chemische Erzeugnisse, Schuhe und Transportmittel. Italien und Deutschland sind die wichtigsten Handelspartner Rumäniens. Allerdings ist die Außenhandelsbilanz stark von Importen geprägt.